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Archiv: Dattelner Morgenpost, 27.04.2011

"Fast wie auf der Baustelle"
→ SuS-Ausbildungszentrum stellt sich auf eine komplexere Arbeitswelt ein.

 

Recklinghausen. Was nützt es, wenn einer nur bequem am Tisch sitzend schweißen kann. "Das kommt später im Arbeitsalltag selten vor", sagt Paul Cohaupt. Im Schulungs- und Servicezentrum Vest sind darum Schweißkabinen eingerichtet, in denen Lehrgangsteilnehmer unter realen Bedingungen Schweißnähte setzen müssen: mal im Sitzen, mal im Liegen, mal über Kopf.

"Fast wie auf der Baustelle", betont Cohaupt. Seitdem die Schulungs- und Servicezentrum Vest GmbH (SuS) im Februar 2009 die ehemalige Ausbildungsstätte des Bauhandwerks am Ossenbergweg in Recklinghausen übernommen hat, versucht sie Aus- und Fortbildungsangebote für Berufe im Bau- und Metallhandwerk so zu konzipieren, dass sie den vielfältigen Ansprüchen des modernen Berufslebens gerecht werden.

 

So erklärt sich zum Beispiel, dass im SuS ein Staplerschein fester Bestandteil vieler Ausbildungslehrgänge ist. In zwei bis drei Monaten will Paul Cohaupt auch den Kranschein in Bildungsgänge des Bauhandwerks einbauen. Das Schulungszentrum deckt das Ausbildungsspektrum einer komplexen Arbeitswelt ab. Viele Unternehmen, vor allem kleinere, können das längst nicht mehr leisten. "Unsere Betriebe sind im Notstand, sie brauchen qualifizierte Leute," erläutert Paul Cohaupt.

 

Zum Angebot des SuS gehören neben Grund- und Fachausbildungen für Metallberufe und Bauhandwerk viele weiterführende Lehrgänge, zum Beispiel in Feinwerkmechanik, Solartechnik oder CAD-Ausbildung. "Zurzeit bieten wir auch einen Holzlehrgang für Werksfeuerwehrleute an", so Cohaupt. Die Berufsfeuerwehrmänner, unter anderem aus dem Chemiepark in Marl, studieren dabei zum Beispiel verschiedene Dachaufbauten, um Brandherde gezielter bekämpfen und eventuell Einsturzgefahren besser einschätzen zu können.

 

Auch äußerlich sind die in die Jahre gekommenen Gebäude am Ossenbergweg in Recklinghausen aus dem Dornröschenschlaf erwacht. An vielen Stellen der insgesamt rund 4600 Quadratmeter wird saniert. Vier Millionen Euro will die SuS in den nächsten Jahren investieren, um Schulungsräume instand zu setzen, das ganze Haus barrierefrei zu gestalten, Außenanlagen in Ordnung zu bringen und das Gebäude mit einem zusätzlichen Veranstaltungsraum aufzustocken. Ziel ist, sich als Kompetenzzentrum für die Aus- und Weiterbildung in handwerklichen und gewerblich-technischen Berufen über die Grenzen der Region hinaus zu etablieren. Schon jetzt reicht das Einzugsgebiet von Neuss bis Rheine und wächst durch Kooperationen, zum Beispiel mit der Handwerkskammer Arnsberg, immer weiter.

 

(Text und Foto: Martina Möller)

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